Zahnarztkalender
Prolog:
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Einen Kalender für Zahnärzte mit einer limitierten Auflage fertigen. Auf jedem Monatsblatt ist das Foto einer Rachen-landschaft abgebildet.
Die Rachenlandschaften sind das Ergebnis eines 3 tägigen Workshops der Abteilung Modern Photography der University
of the Arts in Bratislava/Slowakei. Mit dem Verkauf des Kalenders an begüterte europäische Zahnärzte soll das Budget
der Fotographie Abteilung aufgebessert werden.
Die Landschaften zeigen verschiedene Zivilisationskulissen durch Einsetzen von diversen Kleinstobjekten wie Häusern,
Bushaltestellen, Autos, Akteuren in den Rachenraum von Workshop Teilnehmern.
Den Landschaften werden teilweise kleinere Handlungen und Ereignisse zugeschrieben, die in einer beigefügten Bonus DVD in kurzen Video- und Tonsequenzen dargestellt werden.
Von großem Vorteil für den Aufbau vieler Szenen war, dass mehrere Workshop Teilnehmer einen Großteil ihrer Zähne aus
unterschiedlichen Gründen verloren hatten und ihnen die finanziellen Mittel bisher fehlten, sich künstliche Zähne anfertigen zu lassen.
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Rachenraum Januar:
Winterlandschaft. Ein kahler Baum über den Zähnen xy. Darauf sitzt in einem
blauen Nest ein aufgeregter groß-
flügeliger Vogel, der seinen Schnabel weit
aufgerissen hat.
Ein Zahnarzt mit rotem Kittel hält die Handpuppe einer Fischflosse in seiner rechten Hand. Die Flosse beugt sich in den Vogel-rachen hinein, als wolle sie ihn an einer tief innen liegenden Stelle berühren und küssen.
Bonus CD:
Eindringliches Hineinrutschen und Hinein-ziehen. Vielfarbig animierte Schluck- und Sättigungsgeräusche.
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Rachenraum Februar
Ein bunt geschmückter Karnevalswagen auf der halb ausgestreckten Zunge mit dem Dreigestirn, Bauer, Jungfrau und Prinz.
Die Drei mit einschlägigen Narrenkappen bekleidet, werfen bunt bemalte Zucker-stückchen den Zähnen unten und oben zu.
Diese versuchen mit seltsam aussehenden
kleinen Zangen die Zuckerstückchen zu ergattern und sogleich reinzustopfen in ihre zahlreichen Mäuler, die überall an den Zahnoberflächen weit geöffnet sind.
Eine große Anzahl von Plastikfiguren in Form von Zahnärzten versucht, so gut es geht, die Zuckerstückchen mit Tennisschlägern in der Luft weg zu schlagen, bevor sie auf den Zähnen landen.
Andere Plastikfiguren entfernen mit Bürsten den Zucker von den Zähnen. Man sieht jedoch, wie einige der Zahnärzte von den Zähnen mit ihren Greifwerkzeugen angegriffen werden.
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Bonus DVD :
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Der Karnevalswagen bewegt sich auf der Zunge hin und zurück. Mitunter macht die Zunge leichte Schunkelbewegungen,
die auch den Wagen zum Schunkeln
bringen. Das Dreigestirn wirft dann
besonders viel Zucker, bei dem das Lied erklingt:
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“Heidewitzka, Herr Kapitän
Mem Möllemer Böötche fahre mer su gähn
M'r kann su schön em Dunkle schunkele
Wenn üvver uns de Sterne funkele.”
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Rachenraum März
Ein schneebedeckter Nadelwald. Überall in den Bäumen Zahnärzte, die mit Zahnarzt-besteck aufmerksam in zuvor behauene Baumhöhlen schauen als wären es menschliche Rachen. Der Waldboden
ist vollbedeckt mit silbern glitzerndem Zahnarzt Besteck.
Bonus Video CD/DVD:
Geräusche von scheinbar Hunderten menschlichen Stimmen, die “Bitte nicht bewegen” und “Sie können jetzt
ausspülen” durcheinander sprechen.
Video, in dem das Zahnarztbesteck nach Gebrauch einfach fallengelassen wird.
Den Zahnärzten wachsen sofort neue benötigte Werkzeuge aus den Händen.
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Rachenraum April
Ein Zahnarzt, an eine Rakete gefesselt, deren Abschussrampe unter der nach oben geklappten Zunge steht. Der Blick ist entrückt zum Himmel auf einen im oberen Bereich des Rachens von einem Beamer ausgestrahlten Sternenhimmel gerichtet.
Im gesamten Rachenbereich hängen
extrem lange Hasenohren und bunt bemalte
Zangen zum Zähne ziehen an Fäden
herunter, so dass die Entrückung wegen
der hängenden Ohren und Zangen im Zahnarztgesicht nur sehr aufmerksame Kalenderbild Beobachter bemerken.
Bonus DVD:
Sich ständig wiederholender gesprochener und auf dem Bildschirm eingeblendeter Countdown der Rakete von zehn bis null Sekunden. Das Wort zehn wird im Countdown mit “zahn” gesprochen und geschrieben. Die Rakete hebt immer nur 1 cm ab, ein
kurzes, senffarbenes Feuer ist zu sehen,
dann bricht die Aufnahme ab, der
Countdown beginnt von Neuem.
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Rachenraum Mai
Imitation einer Zeichnung über den fran-zösischen Zahnarzt Pierre Fauchard (1678 - 1761). Einem jungen Mann wird
ein Zahn gezogen. Der Zahnarzt mit einem weiten Mantel und einem großen Hut steht hinter dem Patienten. Rechts ein Holzfass mit einer kleinen quadratischen Öffnung.
Auf dem Fass stehen kleine Gefäße, eine Glasflasche, Behälter. Um den Patienten herum stehen Menschen voller Mitgefühl und Neugierde. Im Hintergrund eine Waldlandschaft, rechts ein Zelt mit Mann und Frau davor.
Bonus DVD:
Video eines Laubbaumes, dessen Blätter sich im Wind hin und her bewegen. Stimmen von Menschen in einem zufällig ausgewählten Youtube Video, in dem diese gerade etwas Erstaunliches erleben.
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Rachenraum Juni
Auf der Zunge, die aussieht wie ein Vorlesungssaal steht ein einarmiger Zahn in einem Anzug. Er hält ein Mikrophon mit einem Hand ähnlichen Greifwerkzeug.
Der Zahn, dessen Augen und Ohren nicht erkennbar sind (eine Maschine?) gibt eine philosophische Vorlesung über die Zahnwelt, die in Form einer Power Point Präsentation
den grotesk aussehenden “Studenten” gezeigt wird. Diese stehen oder liegen auf dem Zungenboden und bestehen aus abstrakt geformtem Zahnmaterial, jeder hat ein Fähnchen im “Körper”, darauf steht: “Erstsemester”.
Aus der Präsentation wird erkennbar, dass der Vortragende im Glauben ist, die Welt bestehe nur aus diesem Rachen.
Bei näherem Hinschauen sieht man Zahnskulpturen, die mit Fernrohr artigen Gebilden aus dem Rachen heraus in die
Welt schauen, wohl im Bemühen, diese zu erforschen.
Bonus CD:
Ein geschulter Sprecher liest Zahlenformeln der Einstein'chen Relativitätstheorie, während in einer Nachteinstellung ein Spotlicht auf die Forscher gerichtet ist, die leuchtende Punkte,
die aussehen wie eine Weihnachtsbaum Lichterkette, mit ihren Fernrohren beobachten.
In einer letzten Einstellung sieht man tatsächlich den Autor des Zahnarztkalenders mit offenen Mund, mehrere Kameras auf Stativen und ein beleuchteter Weihnachtsbaum sind zu sehen.
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Rachenraum Juli
In einem Rachenraum, der wie der Raum in einem modernen Museum aussieht, sind 10 auf den Kopf gestellte Zähne in Menschen-größe zu sehen. Die Zahnwurzeln sehen aus wie Objekte von Hans Arp.
In der Luft schwebende Museumsbesucher, darunter Zahnärzte, die ihre Rundspiegel auf ihre Augen gesetzt haben und irgendwie
intellektuell aussehen, stehen vor den Skulpturen.
Rechts im Hintergrund der Museumsshop, wo mehrere Besucher Ausstellungskataloge und Imitate der Skulpturen in Händen halten.
Auf den linken unteren Zähnen: ein Aquarium voller Zierfische, in denen sehr farbige auf den Kopf gestellte Zähne auf dem Aquariums-boden liegen.
Bonus DVD:
Im Video bewegen sich die Zahnwurzeln wie Wasserpflanzen.
Es wird klar, dass es sich um ein Unterwassermuseum handelt.
An der Kasse am rechten Lippenbereich wird Taucherkleidung für die Besucher ausgegeben.
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Rachenraum August
Zähne, die sich an einem Meeresstrand auf Liegestühlen sonnen.
Einige tun so als würden sie eine Zeitung oder ein Buch lesen, dabei haben sie weder Augen noch Verstand. Sie wissen selber,
dass sie recht unbeholfen aussehen und sind darüber weder glücklich noch unglücklich.
Auf einem Hochsitz in Polypennähe ein Bademeisters mit einem Fernglas in die Ferne schauend.
Zwei afrikanische Uhrenverkäufer versuchen gerade, zwei Zähnen etwas zu verkaufen.
(Anmerkung: diese Szene wurde mit einem der zahnarmen Worksshop Teilnehmer erstellt.)
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Rachenraum September
Modeshow auf faulen, wirklich widerlich aussehenden Zähnen, auf denen ein Laufsteg montiert ist. Exzentrisch gekleidete
Zuschauer im Rachenraum, die alle Röcke
und Hosen mit den Farbe der faulen Zähne tragen.
Auf der linken unteren Zahnreihe eine Art Jury:
Fünf weiß kittelige Zahnärzte, auf waage-rechten Patientenstühlen liegend, die mit großen Spiegeln über ihnen die Modenshow verfolgen.
Auf dem Laufsteg: ein schlankes, cool in die Welt schauendes menschliches Model.
Bonus DVD:
Bekleidungsdetails der Zuschauer in einer schnellen Schnittfolge im Wechsel mit sehr langsamen Nahaufnahmen der wirklich widerlich faulen Zähne.
Gestelltes Interview mit einem Modell, in dem diese behauptet, über faule Zähnen gelaufen zu sein, sei für sie eine “besondere Erfahrung” gewesen.
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Rachenraum Oktober
Auf jedem Zahn steht ein Reihenhaus.
Die Reihenhäuser der oberen Zähne stehen
dabei auf dem Kopf. Die Häuser sind gleichförmig wie in dem Song von Pete Seeger: “Little Boxes on the hillside”
Auf der Zunge befindet sich ein Spielplatz
mit Schaukel, Sandkasten, Klettergerüst.
Hölzerne Figuren wie Zeichenpuppen,
kaum unterscheidbar von Ameisen.
tummeln sich auf dem Spielplatz bzw.
seilen sich ab von den Häusern der oberen Zähne.
Die jeweiligen Zahngrundstücke sind
umzäunt, um das Privateigentum klar abzugrenzen. Vereinzelt stehen Schilder
vor den Zäunen, darauf steht:
“Ticky Tacky”
Manche Grundstücke bestehen aus 2 umzäunten Zähnen, um den größeren Reichtum gegenüber den anderen Häusern anzuzeigen.
Auf der Unter- und Oberlippe sind viele Garagen zu sehen, in denen Autos verschiedener Marken parken, auf der Oberlippe auf dem Kopf.
Bonus CD:
Ein Notar liest einen Grundstücks Kaufvertrag vor. Er liest den genauen Standort des Zahns /der Zähne und des Grundstückes drumherum vor.
Im Hintergrund: Kinderstimmen und
- geschrei, wie man es auf jedem
Spielplatz hört.
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Rachenraum November
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In hinteren Bereich unterhalb einer feierlich geschmückten Polype steht ein schwarz gekleideter Mann, seine rechte Hand und sein Arm wie zu einer Segnung geformt. Auf den unteren Zahnreihen sitzen kleine Figuren auf Stühlen, die sich dem Mann zuwenden.
Sie scheinen synchron die gleiche Hand-bewegung wie der schwarz gekleidete Mann zu machen.
Auf der Zungenoberfläche stehen Plastik Mädchen in weißen Kleidchen, die große angezündete Kerzen in der Hand halten. Über ihnen hängen kopfunter in blaue Anzüge gesteckte Plastik Männchen. Auch diese halten brennende Kerzen in den Händen, deren Wachs auf die weißen Kleidchen zu tropfen scheint.
In der unteren Zahnreihe sind zwei Leerräume zu sehen, wo altargroße Zahnarztstühle aufgestellt sind, auf denen jeweils ein Apostel sitzt, den Mund weit aufgerissen.
Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass der schwarz gekleidete Mann vorne ein wenig in der Luft schwebt und sein Körper und seine Gliedmassen an feinen Schnüren hängen. Es ist nicht erkennbar, wer die Schnüre führt
bzw. wo sie im Rachen befestigt sind. Auch sieht man jetzt erst, dass der Mann einen kleinen goldenen Zahnarztbohrer als Halskette trägt.
Bonus DVDEin als Teufel verkleidetes Äffchen schwingt sich an Ästen, die aus der Oberlippe wachsen, durch die Szenerie. Während eine große Zahl von Kinderstimmen in einem rituellen Text , ähnlich dem Text bei katholischen Taufen, versichern, dass sie dem Satan entsagen werden. Wie in einem schlechten Radioempfang bei einer Autofahrt sind die Stimmen zeitweise mit starken Rauschen zu hören.
Die beiden Zahnarztstühle erstrahlen mitunter in einem hellen Licht. In dieser Zeit werden sie begleitet von lauten Zahnarztbohrer Geräuschen, die die Kinderstimmen übertönen.
Rachenraum Dezember
Ein Zahnarzt in einem weißen Kittel dirigiert eine Mädchen
Tanzgruppe im Grundschulalter mit Nikolauskostümen und roten Mützen. Der Zahnarzt macht gerade mit seinen Armen
und Beinen eine schneidige Bewegung, die von der Mädchengruppe synchron nach-geahmt wird.
Um die Tanzgruppe herum viele Zuschauer, darunter einige - vermutlich Eltern - die ihre Handys in die Höhe halten, um einen Schnappschuss der Tänzerinnen - Töchter zu ergattern.
Im Hintergrund eine hohe Statue mit einem bayerischen Löwen. Die fleischige Polype im Rachenraum berührt sein steinernes Maul.
Bonus DVD:
Zu sehen sind die gar nicht schneidigen, sondern ungelenken
Bewegungen eines Zahnarztes und einer Mädchengruppe
zum Song “Last Christmas”.
Nahaufnahmen von mehreren in die Höhe gehaltenen zur Musik
tanzenden Handys, auf dem der Löwe eine erjagte Polype verspeist.