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Das Ausmalbild

 

Über Nacht

haben die Zahlen

 

nach Lust und Laune

auf anderen Farbfeldern

"Hier bin ich" gerufen.

 

Am Morgen,

wo man sie gebraucht hätte

 

zum ordentlichen Ausmalen

des Pferdemotivs,

 

liegen sie nackt,

ihren Rausch ausschlafend,

wild verstreut herum.

 

 

 

 

 

 

 

Hier beginnen die Massagedüsen.

Hier beginnen die Komplikationen.

 

Hier beginnen die Bezahlzonen.

Hier beginnen die Haare Raufungen.

 

Hier beginnen die Schmerzstrände.

Hier beginnen die Meteoroidenwitze.

 

Hier beginnen die Wolkenschenkungen.

Hier beginnen die Sterberutschen.

 

Hier beginnen die Gebissfelder.

Hier beginnen die Tages Sagen.

 

Hier beginnen die Wetterprämien

Hier beginnen die Sehhilfen.

 

 

 

 

 

 

Eine Seele von einem Mensch,

ein Hauch von einem Mensch.

 

Eine Gabel von einem Mensch,

ein Spiegelei von einem Mensch.

 

Ein Halteknopf von einem Mensch,

ein Radiosender von einem Mensch.

 

Ein Blaulicht von einem Mensch,

eine Bekreuzigung von einem Mensch.

 

Eine Hundehütte von einem Mensch,

ein Auffangbecken von einem Mensch.

 

Ein Husten von einem Mensch,

ein Kassenklingeln von einem Mensch.

 

Eine Sammelaktion von einem Mensch,

ein Dispokredit von einem Mensch.

 

Ein Bauchschuss von einem Mensch,

ein Engelstritt von einem Mensch.

 

 

 

 

 

 

 

Jedem Trinken

einen Namen geben.

 

Jedem Atmen

einen Namen geben.

 

Jedem Schritt

einen Namen geben.

 

Jedem Pickel

einen Namen geben.

 

Jedem Kratzen

einen Namen geben.

 

Jedem Schlucken

einen Namen geben.

 

Jedem Pissen

einen Namen geben.

 

Jedem Aufwachen

einen Namen geben.

 

Jedem Anziehen

einen Namen geben.

 

Jedem Berühren

einen Namen geben.

 

Jedem Schwitzen

einen Namen geben.

 

Jeden Ton

einen Namen geben.

 

Jedem Warten

einen Namen geben.

 

Jedem Tanken

einen Namen geben.

 

Jedem Händewaschen

einen Namen geben.

 

 

 

 

 

 

Fiktive Weisheiten der Völker

 

1

 

Wenn die Bachstelze

hoch vom Himmel fällt,

ist es Zeit für den jungen Jäger,

sich eine Frau zu suchen.

 

2

 

Wenn der Regen

nicht mehr aufhören will,

soll der Regenmacher

zu den Wolken hochklettern

und sie leertrinken.

 

3

 

Wenn der Kopf erst mal abgefallen,

dann kann ihn auch ein kluger Kopf

nicht wieder dran machen.

 

4

 

Wenn der Sensenmann

eines Tages zu dir kommt,

tausche deine Kleider mit seinen,

werde selbst zum Sensenmann.

 

 

5

 

Wer dem Hund

zu sehr zieht am Schwanz,

ist bestimmt ein Kind

oder ein Verrückter

von einem anderen Stern.

 

6

 

Schafe zählen

nur die müden Schäfer richtig.

 

7

 

Wer die Liebe

zu lange sucht,

der sollte lieber

nach etwas anderem suchen.

 

8

 

Wer A sagt,

der kann meistens auch B sagen.

Wer A sagt und kann nicht B sagen,

der sollte besser schweigen.

 

9

 

Lieber ein Kind an der Hand

als eine Laus unter den Achselhöhlen.

 

 

10

 

Wer zu sehr behauptet,

er sei noch am Leben,

der sehe sich vor dem nächsten

vorbeifahrenden Auto vor.

 

11

 

Wer Kirschen isst,

sollte die Kerne nicht

auf jemand spucken

der weiß gekleidet ist.

 

12

 

Lieber ein Heiligenschein

auf dem Kopf,

als eine scheinheilige Plombe

im Mund.

 

 

 

 

 

 

Variationen zu Mörike Gedichten

 

1

 

Die Wolke wird mein Flügel,

die Tage werden meine Helle.

 

Die Häuser werden meine Dunkel,

die Lust wird meine Qual.

 

Die Stille wird mein Sehnen,

das Sterben wird mein Ziel.

 

Der Regen wird mein Gießen,

die Sonne wird mein Seelenscheinen.

 

Der Bach wird mir ein Plätschern,

Apostel bellen in mich rein.

(rauben meinen Schlaf)

 

2

 

Alte unnennbare Tage,

 

Alte unspielbare Tage

Alte schlecht verdaute Tage

Alte ausgepisste Tage

Alte wunderlose Tage.

 

 

 

 

 

Ein Fertigbrot,

ein Fertigrot,

 

ein Fertiggott,

ein Fertigtod,

 

ein Fertigatem,

ein Fertigmagen,,

 

ein Fertigsprießen,

ein Fertigleasen,

 

ein Fertigtrinken,

ein Fertigwinken,

 

ein Fertigsenden,

ein Fertigende.

​

​

​

​

 

 

Der 1 köpfigen Langeweile den Kopf abschlagen,

ihn verbrennen im grauen Feuer.

 

Dem 2 köpfigen Hundsbrei die Köpfe abschlagen,

sie austrocknen mit einem goldenen Föhn.

 

Dem 3 köpfigen Sternensalat die Köpfe abschlagen,

ihnen abdrehen Licht und Dunkelheit.

 

Dem 4 köpfigen Rundlärm die Köpfe abschlagen,

sie verfüttern an hungrige Kegelschweiger.

 

Dem 5 köpfigen Tastaturwarzer die Köpfe abschlagen,

sie ablecken lassen.von geiler Hardware.

 

Dem 6 köpfigen Papierwalzer die Köpfe abschlagen,

sie verbrennen in einer Musikbox.

 

Dem 7 köpfigen Wanderhut die Köpfe abschlagen,

sie wegblasen über die 7 Filzberge.

 

Dem 8 köpfigen Wissensdurst die Köpfe abschlagen,

sie ertränken in einer dementen Pfütze.

 

Dem 9 köpfigen Freiheitsdrang die Köpfe abschlagen,

sie wiederbeleben mit Mund zu Mund Beatmung.

 

Dem 10 köpfigen Herbstregen die Köpfe abschlagen,

ihr Blut auffangen in blonden Zisternen.

 

 

 

 

 

 

 

Adventzeitliche Fragen

 

Ist es ein Erzengel oder ein Segelflugzeug?

 

Ist es ein Christkind oder ein Kreuz Ass?

 

Ist es ein Esel oder eine Regenwolke?

 

Ist es eine Krippe oder eine Rohrzange?

 

Ist es ein Josef oder ein Hirschgeweih?

 

Ist es ein Schaf oder ein Mähdrescher?

 

Ist es eine Maria oder eine Zahnlücke?

 

Ist es ein heiliger Dreikönig oder ein 4 Gerichte Menü?

 

Ist es ein Stern oder ein Auffahrunfall

 

 

 

 

 

 

Solange der Atem reicht,

solange das Geld reicht.

 

Solange die Haut reicht,

solange die Butter reicht.

 

Solange das Auge reicht,

solange das Auto reicht.

 

Solange das Aufwachen reicht,

solange der Bierkasten reicht.

 

Solange der Blutdruck reicht,

solange der Drucker reicht.

 

Solange das Erinnern reicht,

solange die Parklücke reicht.

 

Solange die Sorge reicht,

solange das Sternenlicht reicht.

 

Solange die Wunde reicht,

solange die Zahnpasta reicht.

 

Solange der Durst reicht,

solange die Dämmerung reicht.

 

Solange die Angst reicht,

solange der Rasenmäher reicht.

 

 

 

 

 

 

 

Meinem Goldbarren

die Wimpern nachzeichnen.

 

Meinem Goldbarren

Hunger und Durst stillen.

 

Meinem Goldbarren

die brennenden Wälder des Amazonas zeigen.

 

Meinem Goldbarren

den Zylinder von Hugo Ball aufsetzen.

 

Meinem Goldbarren

die Füße massieren.

 

Meinem Goldbarren

eine Komposition von John Cage vorspielen.

 

Meinem Goldbarren

von der Shoah erzählen.

 

Meinem Goldbarren

die Haare schneiden.

 

Meinem Goldbarren

einen Film über Polizeigewalt vorführen.

 

Meinem Goldbarren

ein Pfändungskonto einrichten.

 

 

 

 

 

Variationen zu einem Punkt

an einem Satzende

 

 

Ein Punkt würde gerne mal

seinen Satz im Morgengrauen verlassen.

 

Ein Punkt würde gerne mal

den Vokalen im Satz sagen,

wie eingebildet er sie findet.

 

Ein Punkt

würde gerne mal in ein feines Restaurant gehen und etwas richtig Exklusives bestellen.

 

Ein Punkt würde gerne mal

"Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"

von Marcel Proust lesen.

 

Ein Punkt würde gerne mal

einem Menschen in großer Not helfen.

 

Ein Punkt würde gerne mal

allen Buchstaben in einem Satz

einen Witz erzählen.

 

Ein Punkt würde gerne mal

einen Konsonanten in einem Satz küssen.

 

Ein Punkt würde gerne mal

einmal im Leben wie die Menschen

pissen und scheißen gehen.

 

Ein Punkt würde gerne mal

ein winterlicher Vollmond sein.

 

Ein Punkt würde gerne mal

die ägyptischen Pyramiden besuchen.

 

Ein Punkt würde gerne mal

früher als sonst schlafen gehen.

 

Ein Punkt würde sich gerne mal

fortpflanzen, doch er weiß nicht wie.

    © 2025 Fred Darimont 

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