Die Augen Magritte`s
und andere
Objekte seiner Bilder.
Irgendwann damit Dinge tun,
die ich jetzt noch nicht ahne.
Z.B. mit den Augen Bier brauen,
mit den Wolken Schafe scheren…
1
Ich schwimme
zu den Wörtern.
Sie flüstern mir
zärtliche Dinge zu.
Sie sind weich.
Sie laden mich ein
in ihre Körperöffnungen.
Sie lieben jeden,
der zu ihnen schwimmt.
Sie schaffen es immer,
ein Wort aus mir zu formen.
2
So werde ich
einmal "Pik Ass"
ein anderes Mal
"Hundegebell"
ein drittes Mal:
"Farbdrucker"
3
Wenn ich erneut
zu ihnen schwimme,
habe ich mein letztes Wort
längst aufgebraucht.
Und sehne mich danach,
wieder neu Wort zu werden.
Notar Leseaufführung
1
Ein Notar liest
einen Grundstück Kaufvertrag vor.
Er achtet darauf,
dass er kein Wort, keinen Buchstaben
auslässt.
Das ist sein tägliches Business.
Hierfür braucht man
keinen Dirigenten.
2
Wie wäre es,
wenn hundert Notare
gleichzeitig die anstehenden
Kaufverträge lesen würden?
Vorstellbar wäre das
in einem fiktiven Saal.
Die Notare stehen
wie ein Chor auf der Bühne.
Im Saal sitzen die Käufer,
die gleichzeitig auch Zuschauer
dieser außergewöhnlichen Aufführung
sind.
Ein Dirigent bestimmt die
Leseeinsätze von Teilen
oder des ganzen "Chors".
Er legt auch kurze oder
längere Lesepausen fest,
bestimmt jeweils Lautstärke
und Geschwindigkeit der gelesenen
Texte.
3
Was für ein wundervolles
sich in die Wörter fallen!
Was für ein herrlicher
Wortbrei verschiedenster Konsistenz!
Und vor allem der Beat
der verschiedenen Brei Arten!
Die Aufführung würde live
von einem TV Kultursender
übertragen und später sehr
gelobt.
Notare und Käufer
wären keine Schauspieler
sondern tatsächlich
Notare und Käufer.
Vogelgesang
aus verschiedenen Phasen im Leben
in Audioaufzeichnungen suchen
und zeitlich zuordnen.
Wenn Vogelgesang
im Hintergrund von Gesprächen
und anderen Geräuschen zu hören ist,
werden diese mit aufgezeichnet.
Zahnbürsten
aus verschiedenen Phasen im Leben
in der Vorstellung wiederfinden.
Die Vogelgesänge
und die Gesprächsfetzen anhören.
In der Vorstellung sich mit
den zeitlich passenden Bürsten
die Zähne putzen.
Sich dabei im Spiegel anschauen
Dies zehn Tage lang
zur gleichen Uhrzeit wiederholen.
Einmal im Leben
ein Stein sein,
der das Universum
durchquert.
Alle hunderttausend Jahre
mich kratzen.
Alle fünfhunderttausend Jahre
einen Salto machen.
Sonst nichts.
Nach der Rückkehr
zum Ausgangspunkt,
mein jetziges Leben
wieder aufnehmen.
Schamanische Übung I
In einen Wald gehen.
Sich eine ca. 1 qm Fläche
mit dichtbewachsenen Blätterpflanzen
am Boden suchen.
Sich auf den Boden setzen.
Jedes Blatt einzeln anschauen.
Zu jedem Blatt
aufmerksam sagen:
"Du bist anders als ich.
Ich bin anders als du.
Wir sind Teil des Universums"
Wenn es
zwischenzeitlich Abend wird,
eine windgeschützte Kerze
anzünden.
Den Ort erst verlassen,
wenn alle Blätter
angesprochen wurden.
Danach nach Hause gehen,
sich ins Bett legen,
einschlafen.
Die ganze Erde
in Quadratzentimeter einteilen.
Über jeden Quadratzentimeter
einen Text schreiben.
So viele Texte schreiben.
Ein gigantisches Projekt
über Generationen,
von Millionen von Menschen
in aller Welt umzusetzen.
Unterbrochen immer wieder
von Kriegen, von Katastrophen,
von Bauarbeiten, von Fanatismus,
von Desinteresse, von Vergessen…
In der Ewigkeit
kann man kein Eis lecken.
Und wenn doch?
Wie sähe ein solches Eis aus?
Wäre es langgezogen
wie ein gigantischer Zeitstrahl,
an dem man leckend
entlanggeht, läuft, schlendert?
Wer wollte (oder müsste)
so etwas ewig tun?
Hoffentlich nicht ich!
Selbst wenn die Eissorten
alle 1000 Jahre wechselten
und die Schuhe und die Füße darin
sich immer wieder erneuerten.
Gehen lecken gehen lecken.
Und wenn weitere Eisparcours
mit anderen EisleckerInnen
mein Eis kreuzten?
Was würde es nützen?
Die Aussichten wären gleich Null,
jemand zu treffen, der zufällig
gerade vorbeileckt.
Ich bliebe wohl ewig
gefährtenlos.
​
​
​
​
Ein paar Meter
jenseits des Kosmos
Ein paar Minuten
abseits der Zeit
liegt mein Blau
und schaut aus dem Fenster.
Nebel ziehen vorbei.
Asteroiden
machen kurz Rast,
um sich zu paaren.
Fliegen bald weiter.
Mein Grün zeigt mir
draußen andere Monde.
Ich bin nicht allein.
Es gibt ein Hier.
Du liegst neben mir.
Körperlich. Wärmst mich.
​
​
​
​
​
Ich wäre gerne mal eine Eule.
Dann könnte mir niemand
in den Rücken fallen.
Ich würde gerne auch mal nachts
lautlos über eine Maus fliegen.
Essen wollte ich sie nicht.
Ich würde gerne auch
über andere Dinge fliegen.
Über Kindergärten, Leitplanken.
Über Kasernen, Käsetheken.
Ich würde als Eule gerne mal
in mich hineinfühlen wie es ist,
wenn man einen Schnabel hat.
Sein Gefieder putzt.
Vor allem wüsste ich gerne,
was Eulen im Schlaf träumen.
Ich würde mir das Schreiben beibringen,
die Träume in einem wetterbeständigen
Heft notieren.
Mich würde auch interessieren,
wie Eulen nachts sehen.
Mit ihren Superaugen.
Gerne würde ich
von Bäumen und Häusern aus
Menschen vor Kneipen beobachten.
Wie sie im Laufe des Abends
lauter werden.
Ich würde auch gerne
unbemerkt in Fenster reinschauen.
Menschliche Geheimnisse erspähen,
die ich nicht verstehe.
Ich könnte mir
beim besten Willen nicht vorstellen,
dass mir Hühnerküken schmeckten,
wie sie in Zoos an Eulen verfüttert werden.