Tarotkarten legen
Fiktiv auf Straßen und Bürgersteigen
weggeworfenen Kleinabfall
nach den 78 Tarotkarten Motiven
des Raider Waite Tarots absuchen.
Die Suche erst beenden,
wenn alle großen und kleinen
Arkana Karten gefunden wurden.
Die Motive farbig fotografieren.
Die Karten mit Vorder- und Rückseite
so bearbeiten, dass sie wie echte
Tarotkarten aussehen.
Sich einen Ort am Fußboden
eines Zimmers in der Wohnung
als Karten Legeort einrichten.
Dabei diverse esoterische Onlineshops
nach geeigneten Tarot Requisiten
durchforsten.
Sich entscheiden für:
ein schwarzes Altartuch
mit weißem keltischem Knoten;
eine Herzchakra Energie Kerze;
Mandelblüten Räucherstäbchen
Fragestellungen aus 10 - 15
Tarotratgeber Büchern auswählen.
Einen Monat lang den Tarotkarten
folgende Fragen stellen:
Was soll ich loslassen?
Warum rege ich mich so auf?
Welcher Bereich meines Körpers
ist blockiert?
Was kann ich tun,
um wieder "heil" zu werden?
Welche Hoffnungen, Ängste,
Sehnsüchte sind in mir?
In dieser Zeit fasten,
die Wohnung nicht verlassen,
nur wenig schlafen,
kein Kontakt zur Außenwelt.
Am Ende des Monats
aus dem Haus gehen.
Mit einem Besen exakt
1,08 Quadratmeter eines zufällig
ausgewählten Orts in der Stadt
kehren.
Den Abfall in eine mitgebrachte
Mülltonne zusammen mit den
Tarotkarten werfen.
Sich danach ins Bett legen.
Endlich ausschlafen.
Was kann man posthum erreichen
in einer mittleren oder größeren Stadt
als Bürgermeister, als Mäzen,
als Komponist, als Schriftsteller,
als Äbtissin eines Kloster,
oder auch nur als einfacher Bürger
durch eine mutige Tat in schrecklichen Zeiten?
Richtig: eine Straße in der Stadt
kann nach einem benannt werden.
Vielleicht teilweise oder längst verwest:
wenn man trotzdem das Benennen
des eigenen Straßennamens
auf allen Navigationsgeräten
im Umkreis des Friedhofs hören könnte.
Ausgesprochen von blechernen
Billignavi Stimmen oder durch
prominente Sportlerstimmen in teuren Navis.
Man hörte den eigenen Namen
sicher noch deutlicher,
wenn Stadtfremde danach fragen:
"Wissen Sie, wo die und die Straße ist?"
Wenn es nicht so unerträglich laut wäre,
sodass der Posthume, wenn er könnte,
sich die Ohren zuhalten muss.
Um danach in einen mehrtägigen
ungesunden Dämmerzustand zu fallen.
​
​
1
Bei einem Billigdiscounter
ein Aquarium zum Zusammenbauen
kaufen.
Darin den brutalsten Diktatoren
und Militärs in der Welt
ein neues Zuhause geben.
Ich würde sehr darauf achten,
dass das Wasser immer sauber ist,
dass keiner meiner Fische verstirbt.
Ich würde sie auch mit Bedacht füttern,
dass sie sich nicht überfressen
oder schädliche Nahrung bekommen..
Mehrmals am Tag nähme ich mir Zeit,
die Fische in meinem Aquarium
zu betrachten.
Nie würde ich gegen das Glas klopfen,
um sie nicht zu erschrecken.
Ich würde auch keine überlaute Musik
im Raum hören oder sonst wie
großen Lärm machen.
2
Neben der Freude über ein
so schönes Hobby
würde ich Recherchen anstellen,
wen meine Fische alles gequält haben
vor ihrer Aquariumszeit,
wen sie gefoltert, getötet,
wen sie lebend begraben haben.
Ich müsste mir wahrscheinlich
alle Mühe geben,
der Versuchung zu widerstehen,
ihnen den Hals umzudrehen.
Es wäre auch kein Problem,
sie mit einem Netz herauszufischen
und solange zappeln zu lassen,
bis sie ersticken.
Oder einfach nur das Wasser
aus dem Aquarium abzulassen.
Ich müsste mir immer wieder sagen:
- "Das sind keine bösen Menschen mehr."
- "Es sind jetzt Fische."
- "Sie sollten nicht für ihr vorheriges Leben
bestraft werden."
Manchmal wäre jedoch der Drang,
ihnen Schaden zuzufügen sehr stark.
Besonders dann,
wenn ich Schreckliches gelesen hätte
über ihre vergangenen Taten.
3
Ich habe angefangen zu meditieren.
Eine buddhistische Meditation,
die liebende Güte hervorbringen soll.
Es gibt Tage,
da muss ich viele Stunden meditieren,
dass ich ihnen nichts antue.
​
​
​
1
Müll russischer Soldaten
in der Ukraine an verlassenen
Standorten fiktiv sammeln.
Mit dem Müll arbeiten
wie Dompteure im Zirkus
mit Tieren arbeiten
bzw. wie Philosophen mit Schülern
die dialogische Auseinandersetzungen
über ein einfaches Thema üben.
Lässt sich Müll überhaupt dressieren
oder zu irgendwelchen Dialogen
erziehen?
Man kann ihn sicher nicht dazu bringen,
durch einen Feuerreifen zu springen
oder einem Vortrag
über Sokrates geistig zu folgen.
2
Mülltrainer benötigen viel Geduld,
und eine extreme Frustrationstoleranz.
Bevor überhaupt der erste
kleine Schritt getan werden kann,
muss der Müll erst mal entgiftet werden
von allen Rohheiten und Grausamkeiten
seiner ehemaligen Halter.
Dann erst lassen sich vielleicht
kleine akrobatische Nummern
wie in einem Flohzirkus trainieren
oder Ansätze
von Perspektivübernahmen
immer wieder üben.
3
Wenn dann der Moment gekommen ist:
ein erster Hauch von Einfühlsamkeit
und Respekt vor Mit-Gegenständen
und Mit-Lebewesen:
dieser Moment entschädigt für alle
Misserfolge in der Vergangenheit.
Sektkorken können endlich fliegen
wie bei Nasa Ingenieuren nach einem
erfolgreichen Satellitenstart.
Und tatsächlich ist das Ergebnis
in seiner Dimension durchaus
damit vergleichbar.
Denn wer hätte ernsthaft glauben können,
dass man Müll von Soldaten
selbst mit den besten Trainern der Welt,
zu einer menschlichen Regung
bringen könnte.
​
1
Wo ist der Schlitz,
in den man Briefe an geliebte Tote
werfen kann?
Wo hat er sich versteckt?
In einem Maisfeld,
einer Verkehrsampel,
einem Storchennest,
einem Terrassenfenster?
2
Durch andere Schlitze
Mailart verschicken und empfangen.
Korrespondieren mit Barockputten
und homöopathischen Notfalltropfen,
mit Schneegestöber
und Wasserrohrbrüchen,
mit Ellenbogen vom Tisch
und Elfmeterschützen.
3
Um so vielleicht
über diesen Umweg
den einen Schlitz zu finden,
in den man Briefe an geliebte Tote
werfen kann.
Ich möchte auch gerne
eine Erfindung machen
wie der Erfinder des Elfmeters,
Karl Wald.
Was könnte ich erfinden,
dass sich genauso schnell
wie der Elfmeter in der ganzen Welt
verbreitet?
Etwas das mich reich machen würde
oder mir zumindest posthum
wie bei Karl Wald einen Straßennamen
bescherte.
Wie könnte ich mich optimal
auf einen solchen Geistesblitz vorbereiten?
Sollte ich mich öfter auf Wiesen legen
oder in großen Möbelhäusern
auf besonders teuren Sofas Kopfstände
machen?
Sollte ich in Nachtträumen
das freihändige Fliegen üben
oder den ganzen Tag in Bussen
durch die Stadt fahren?
Schlechte Ideen gibt es genügend.
Sie sind in der Regel sinnlos
oder nicht umsetzbar.
Zum Beispiel Seifenblasen erfinden,
die länger als 1 Jahr halten
und in Parks und Wiesen
auch im Winter einsetzbar sind.
Oder ein Gerät erfinden wollen,
das eine Kommunikation
mit Toten und Sternen ermöglicht.
Eine gute Idee, das wärs!
​
Nach W.C. Williams
Die Milch,
die ich dir warm machen wollte
und dann stundenlang vergaß.
Wie die Wohnung gerochen hat,
als ich wieder nach Hause kam.
Der Topf sah aus
wie nach einem Brandanschlag.
Ich habe ihn auf die Terrasse
neben den Tomatenstrauch gestellt.
Die Milch hätte dir bestimmt
köstlich geschmeckt!
​
Wie oft schon hab ich,
nüchtern oder betrunken,
den Sternenhimmel angestarrt.
Dabei an alles Mögliche gedacht,
meistens wie klein ich bin
im Vergleich zum Weltall
und wie weit alles weg ist.
Oft hatte ich eine Zigarette
in der Hand und fühlte mich
in dem Moment geliebt oder ungeliebt
oder irgendwas anderes.
Mit 15 träumte und wünschte
ich nicht die gleichen Dinge
wie jetzt mit 66.
Im Laufe der Zeit fing ich an,
mich an den Sternenhimmel
zu gewöhnen,
so wie man sich an die Wolken,
an den Verlust geliebter Menschen
gewöhnt.
Wenn ich jetzt nachts
nach Oben schaue,
(wenn man nach Unten schaut,
sieht man die Sterne ja nicht,
es sei denn man benutzt einen Spiegel,
was ich noch nicht ausprobiert habe)
dann ist das feierliche Gefühl,
etwas Großartiges zu erleben,
nicht mehr so da.
Die Gedanken und Gefühle sind jetzt
eher verschwommen und träge.
Manchmal möchte ich
den Sternenhimmel mit all seinen Galaxien,
Nebeln und Löchern einfach zerreißen,
in einen Papierkorb werfen,
um etwas Anderes zu skizzieren,
auszudehnen, zu beleuchten.
Oder auch nur wie ein Kind
zu erkunden, was sich dahinter
verbirgt.
Aber das steht mir als Mensch
natürlich nicht zu.
Das ist Götterbusiness.
Romantische Lichtjahre
Alles so weit weg
und doch für einen Romantiker
wie mich ganz nah.
Galaxien anhimmeln,
auch wenn sie eine Ewigkeit
entfernt und schweinekalt sind.
Wie die miteinander tanzenden
Galaxien des Stephan Quintetts,
290 Millionen Lichtjahre entfernt,
in einer Aufnahme des neuen James Webb
Teleskops.
Präsentiert von Astronomen,
die eine positive Öffentlichkeit
für die Generierung von gigantischen
Forschungsgeldern brauchen.
Die Schönheit des Weltalls
will ich trotz aller Extreme
und Unerreichbarkeiten
gerne glauben,
auch wenn sich nichts
von dem, was ich sehe
umarmen, berühren, küssen
am Ohr knabbern lässt.
Mit viel Phantasie
könnte ich mir sogar vorstellen,
ich wäre eine der 5 tanzenden Galaxien,
die auf dem Foto abgebildet sind.
Was hätte ich wohl damals angezogen
an diesem galaktischen Tanzabend?
Und sähe das Foto
des James Webb Telekops
dann genauso aus ?
So viele
Antikriegslieder gesungen
mit ein paar Griffen
auf der Gitarre
when I was young.
So oft die whistle geblowed,
die bell of freedom geläutet
long time ago.
Den universal soldier gefickt,
die Rüstungsprofiteure
in den Salat geschnitten.
Gone the happy salad days.
They will never come back,
while the wars and their buddies
never disappeared.
Hinter einer Absperrung liegen,
in viele Teile gesprungen
wie eine zerbrochene Glastüre.
Menschen eines Rettungsdienstes,
die zu den Passanten sagen:
"Bitte gehen Sie weiter,
es gibt hier nichts zu sehen."
Hinter einer Absperrung
auf einem geteerten Weg kleben,
rot geworden oder schwarz,
rund, länglich oder viereckig.
"Bitte gehen Sie weiter,
es gibt hier nichts zu sehen."
Vielleicht fliegen einem Horoskope
oder Tiere aus den Ohren,
vielleicht verdoppelt man sich
gerade nackt,
nimmt synchron verschiedene Posen ein,
die alle paar Minuten wechseln
wie in einem Aktzeichenkurs
einer Volkshochschule.
Bitte gehen Sie weiter,
es gibt hier nichts zu sehen.
Vielleicht schon halb mit Erde bedeckt
oder mit etwas feierlich Glitzerndem,
etwa eine Weihnachtsdekoration
in einem Bekleidungsgeschäft.
Bitte gehen Sie weiter,
es gibt hier nichts zu sehen.
Retter hantieren derweil
hektisch an einem herum,
saugen an Fingern,
stecken einem Holzscheide
zwischen die Lippen,
begießen einen mit Flüssigkeiten,
versuchen die Gebilde,
die aus den Ohren fliegen zu fangen.
in Plastikbehältern zu sammeln.
Nehmen Proben u.a. vom Roten,
vom Schwarzen, vom Glitzernen,
vom Viereckigen.
Rufen es immer lauter
in die immer größer werdende Menge:
Bitte gehen Sie weiter,
es gibt hier wirklich nichts zu sehen!
Menschen, die man trifft,
alle Menschen, die man trifft,
kurz umarmen,
sich einmal miteinander drehen,
dann weitergehen.
Das kostet die Wirtschaft
natürlich Zeit.
Dinge, die man bisher
im Nu erledigen konnte,
dauern jetzt deutlich länger.
Produkte und Dienstleistungen
werden teurer, verspäten sich.
Das Einholen von Informationen
wird beschwerlicher.
Jäger verfehlen im Drehen
die Tiere im Wald.
Aus einer Umarmung
werden manchmal viele,
geplante Wege werden abgebrochen,
um sich zu lieben.
Neue Varianten des sich Umarmens,
des Sich Drehens entstehen.
Man kann auch kurz voreinander weglaufen,
sich dann einfangen, umarmen,drehen
und küssen lassen,
oder nur ein "Grüß Gott" sagen.
Manche erreichen
ihre Ziele wieder schneller,
während andere
noch langsamer werden.