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Auszahlungsabruf

​

Ein blaues Megafon

mit gerade gekauften

Spielgeldscheinen befüllen

 

sich auf einen Balkon

in einer belebten Straße

in ca. 20 Meter Höhe stellen

 

das Megafon anschalten

auf hohe Lautstärke stellen

im Wechsel ausrufen:

 

"Auszahlungsabruf" - Auszahlungsabwurf"

 

Das Megafon

nach unten neigen

bis im Laufe der Zeit

alle Spielgeldscheine

auf die Straße geflattert sind.

 

Nun im Wechsel ausrufen:

 

"Auszahlung abgerufen" - Auszahlung abgeworfen"

 

bis die Batterien

des blauen Megafons leer sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

Faltigung

 

 

Sich Leihhände besorgen.

 

Die eigenen Hände

mithilfe der Leihhände

wie Papier fünf mal falten.

 

Die so gefalteten Hände

in die Luft werfen.

 

Beim Hochwerfen der Hände

das Wort "Auffaltigung" ausrufen.

 

Beim Herunterfallen der Hände

das Wort "Abfaltigung" ausrufen.

 

Die Hände auffangen und ausrufen:

"Faltigungsankunft"

 

Die Hände wieder entfalten.

und ausrufen: "Faltigungsende".

 

Die Leihhände zurückgeben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Auslautverhärtung

 

Sie kommt immer zur Unzeit

als stechender Schmerz.

 

Sie kann an jedem Körperteil austreten.

 

Sie vermehrt sich rasend schnell.

 

Sie bildet Klangkörper

in ihren Verhärtungen.

 

Mit düsteren und zugleich

verführerischen Stimmen und Berührungen.

 

Man würde sich ihnen

gerne bedenkenlos hingeben,

 

wenn nicht der Schmerz

und die Düsternis alles überdeckten.

 

Und auch die Ohren halten es

nicht mehr lange aus.

 

Denn jede Nacht kommen lärmende

grölende Auslautverhärtungen hinzu.

 

Was hier auslautet:

vor dem müssen Grundschulkinder

 

in aller Deutlichkeit gewarnt werden.

 

 

 

 

 

 

 

1

 

10 Aussagen aus Radionachrichten

und 10 private Äußerungen aus dem Alltag

nach einem Zufallsprinzip auswählen.

(10 Radionachrichten und 10 Familienmahlzeiten innerhalb von 3 Monaten aufzeichnen und durch Würfeln mit 2 Würfeln den auszuwählenden Satz bestimmen)

 

2

 

Die ausgewählten Nachrichtensätze durch

Audiofilter leicht bis mittelgradig verfremden.

Die ausgewählten Privatsätze jeweils mehrmals

mit unterschiedlicher Betonung vorlesen und

aufzeichnen.

 

3

 

Die ausgewählten Nachrichten- und Privatsätze in mindestens 5 Audio Collagen nach einem Zufallsprinzip miteinander vermischen. Dabei soll jeder Satz mindestens 3x vorkommen.

 

Diesen Audiocollagen jeweils unterschiedliche Musik pro Äußerung nach einem Zufallsprinzip unterlegen.

 

4

 

Im Rahmen einer öffentlichen Aufführung die Besucher bitten, sich auf bereitgestellte Liegematten zu legen und bei leicht abgedunkeltem Licht die 5 Audiocollagen

still und konzentriert zu hören.

 

Die liegenden Besucher in einem zweiten Schritt bitten, selbst formulierte Nachrichten- und Privatsätze zu sprechen zu einer aufgeführten Musikcollage ohne Texte.

 

Die Besucher in einem dritten Schritt bitten, aufzustehen, durch den Raum zu gehen und die selbst formulierten Äußerungen mindestens 10 anderen Teilnehmern in Einzelbegeg-nungen gegenseitig mitzuteilen, ohne diese weiter zu kommentieren oder darüber zu diskutieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Der Tod (...) geht uns nichts an, denn solange wir sind,

ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, sind wir nicht mehr." (Epikur:)

 

 

Zwei nebeneinanderliegende Kabinen in der jeweiligen Größe einer Telefonzelle konstruieren und auf dem Marktplatz einer Kleinstadt aufstellen. Die Kabinen sind nach Vorne offen. Eine permanent laufende Videokamera ist vor den Kabinen aufgestellt. Sie überträgt die Aufzeichnung live an einen anderen weit entfernt liegenden Ort in einem anderen Land. An diesem anderen Ort ist dieselbe Kabinenkonstruktion aufgebaut. Eine Videokamera überträgt das Geschehen von dort live zum Marktplatz unserer Kleinstadt.

 

Beide Kabinen können durch eine Öffnung in Türgröße betreten werden. Zwischen den Kabinen ist eine Lichtschranke installiert,

die das Betreten der jeweils anderen Kabine registriert.

 

Zufällig ausgewählte Passanten werden gebeten, sich in eine der beiden Kabinen zu stellen. Mit Betreten der Kabine wird

automatisch das Wort "Tod" in die andere Kabine mit einem Beamer projiziert.

 

Der Kabinenakteur wird nun gebeten, nach Lust und Laune zwischen den Kabinen zu wechseln. Beim Betreten der anderen

Kabine wird, ausgelöst durch die Lichtschranke, automatisch das Wort "Tod" in die jeweils leere Kabine projiziert.

 

Per Zufallsgenerator wird nach einer gewissen Anzahl von Lichtschrankensignalen die Beamerprojektion nicht gewechselt.

Der Kabinenakteur betritt den Raum mit dem Wort "Tod" und bekommt die Regieanweisung, für 60 Sekunden in einer starren Haltung zu verharren. Nach 60 Sekunden wird die Projektion beendet. Der Akteur verlässt die Kabine. Andere Passanten bzw. Zuschauer werden nun gebeten, eine Kabine zu betreten.

 

Die Videoaufzeichnung der Kabineninstallation in einem anderen Land wird auf zwei Monitoren - angebracht an den beiden Aussenwänden rechts und links der Kabinen - ohne Ton gezeigt. So auch bei der Installation in einem anderen Land.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Wo dich noch dies und das bekümmert und bewegt, so bist du

noch nicht ganz ins Grab gelegt."

Angelus Selesius aus: "Cherubinischer Wandersmann"

 

1

 

Ein Mensch liegt in einem Schall isolierten Raum an einer belebten Straße auf einer zu den Füßen hin nach unten geneigten

Holzpritsche, die von einer rechteckigen ca. 50 cm hohen, nach oben hin offenen Holzkiste, eingefasst ist.

 

10 Zuschauer im Raum schauen konzentriert in einem Abstand von ca. 10 Metern auf die Längst Seite der Holzkiste und Pritsche.

 

Zu sehen ist am höchsten Punkt und der größten Neigung der Pritsche der Kopf sowie der Oberkörper und das Gesäß des

Menschen. Am verdeckten Fußende ragt ein laut eingestellter Fernseher mit einer aktuellen Nachrichtensendung über den Kistenrand hinaus. Der Mensch hält ein Radio im Arm, aus dem normale Radiounterhaltung an einem

Werktag zu hören ist. Der Mensch schaut auf den Fernsehmonitor und lauscht dem Radio.

Er verändert ca. alle 10 Sekunden seinen

Gesichtsausdruck als Zeichen seiner wechselnden Befindlichkeit.

 

Die Pritsche bewegt sich ganz langsam über einen Zeitraum von ca. 10 Minuten in eine waagerechte Position, an deren Ende der liegende Mensch kaum noch über dem Kistenrand zu sehen ist. In den letzten 30

Sekunden werden Fernseher und Radio langsam leiser und schalten sich aus.

 

10 Minuten lang ist völlige Stille im Raum. Danach bewegt sich die Pritsche wieder innerhalb von 10 Minuten auf ihren größten

Neigungswinkel zu.

 

Fernseher, Radio und Mensch verhalten sich nun in umgekehrter Weise. Sie springen nach 30 Sekunden an etc.

 

Den 10 Zuschauern steht es frei, das Auf und Ab der Pritsche so lange anzuschauen, wie sie sich konzentrieren können. Wenn dies nicht mehr möglich oder gewollt ist, verlässt jeder für sich den Raum. Betritt die belebte Straße, um zu essen, zu trinken, zu pissen, zu küssen

etc.

 

2

 

Die 10 Zuschauer stören den Menschen auf der Pritsche in der Aktivitätsphase mit Stille. Sie gehen schweigend ganz nah an ihn heran. In der Ruhephase stören sie ihn durch Ge-spräche, Lärm, Gelächter. Sie nehmen ihm das Radio ab und hören.

 

 

3

 

Jeder macht, was er will. Es gibt keine Regieanweisungen mehr. Jeder kann bleiben oder gehen, wie er Lust hat. Und auch der

Pritschen Mensch kann tun und lassen, was er will.

 

 

 

 

 

 

 

Notar Variationen

 

1

 

Ein Grundstück von 10 x 10 cm erwerben.

Darin einen kleinen blauen Schatz vergraben,

den jeder stehlen darf.

 

Darauf bestehen, dass die Formulierung "kleiner blauer Schatz" und "den jeder stehlen darf" im Grundbuchvertrag niedergeschrieben ist und vom Notar verlesen wird.

 

2

 

Ein Grundstück erwerben, auf dem der Wind

häufig singt. Darauf bestehen, dass dies im

Grundbucheintrag erwähnt und vom Notar

verlesen wird.

 

Den Notar bitten, beim Unterschreiben des

Vertrages eine Tonaufzeichnung des singenden

Windes auf dem Grundstück an einem Nachmittag im Oktober anzuhören.

 

3

 

Den vom Notar vorab zugesandten Grundstücksvertrag Wort für Wort aus-schneiden und alle Wörter in eine Schale werfen.

 

Beim Termin der Unterschrift Unterzeichnung darauf bestehen, dass der Notar jeweils ein Wort aus dem Gefäß nimmt und verliest, bis alle Wörter gelesen sind.

 

4

 

Alternativ jedes ausgeschnittene Wort in der

Reihenfolge des Vertragstextes auf jeweils ein Blatt Papier schreiben.

 

Beim Notar darauf bestehen, dass jedes einzelne Wortblatt von den Vertragsparteien unterschrieben wird.

 

5

 

Mit einem Grundstückseigentümer vereinbaren, dass ein kleines Grundstück an einer von Vögeln viel genutzten Hecke immer dann den Besitzer wechselt, wenn ein Vögel auffliegt.

 

Den Notar dazu überreden, einen Vertrag aufzusetzen, deren Besitzer tagsüber jeweils nach ein paar Sekunden wechseln, während die Besitzverhältnisse in der Nacht in der Regel stabil bleiben.

 

Mithilfe einer Videokamera, die auf die Vogelhecke gerichtet ist, die wechselnden Besitzverhältnisse sekundengenau anzeigen und ändern.

​

6

 

Meinem Nachbarn 1 qm Eigentum von meinem Garten schenken (im Randbereich oder mittendrin).

 

Ihn davon überzeugen, dass diese Schenkung

notariell verlesen und beurkundet wird.

 

Meinen Nachbarn dann bitten, einmal im Jahr

an einem von ihm ausgewählten Tag einen

wirklich guten Witz auf dem geschenkten

Grundstück zu erzählen.

 

7

 

Bei der Formulierung eines Grundstücks-vertrages beim Notar darauf bestehen, dass im Anhang des Vertrages ein dadaistisches Gedicht etwa von Hugo Ball, Tristan Tzara oder Kurt Schwitters  mit aufgenommen wird.

 

Den Notar darum bitten, das Gedicht

zu flüstern, zu singen oder es so vorzulesen,

wie es ein Notar gelernt hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

Begegnungen

 

1

 

In einen Bahnhof in irgendeiner Stadt gehen.

Nach einem Zufallsprinzip einen Menschen auswählen. Diesen im Vorbeigehen nicht länger als zwei Sekunden lang anschauen. Danach stehenbleiben. Die Augen schließen. Sich vorstellen, mit diesem Menschen auf einer Couch zu sitzen und Erinnerungen aus der Kindheit auszutauschen.

 

Nach 5 Minuten die Augen wieder öffnen. Im Vorbeigehen einen zufälligen anderen Menschen anschauen. Sich vorstellen, dass dieser Mensch einem gerade das Leben gerettet hat.

 

Weitere 10 Menschen anschauen. Stehenbleiben. Die Augen schließen. Sich jeweils etwas anderes Bedeutsames vorstellen,

was man mit dem Menschen teilt.

 

2

 

Bei Interventionen bzw. Störungen durch Ordnungskräfte oder Hilfepersonen folgendermaßen verfahren:

 

Diesen ein vorbereitetes Papier aushändigen, in der erklärt wird, dass es sich um eine Kunstaktion handelt und dass weder psychiatrische noch andere freiheits-entziehende Maßnahmen erforderlich sind. Und dass auch keine Hilfe benötigt

wird. Dass es auch keinen Grund gibt, von irgendeinem Hausrecht Gebrauch zu machen bzw. dass es auch gerade nicht passt, sich

auszuweisen oder nach Drogen durchsucht zu werden.

 

Dass man schlicht und ergreifend in Ruhe gelassen werden möchte.

    © 2025 Fred Darimont 

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