Zehn Kopfsalate in einem Supermarkt kaufen.
Aus den Blättern mit einer Küchenschere Buchstaben herausschneiden (3x5 cm groß).
Einen administrativen Satz aus dem Ausländerrecht mit den geschnittenen Buchstaben bilden:
“Die Einordnung in die Gruppe der “hartnäckigen Identitätsverweigerer” erfordert in jedem Einzelfall eine besondere
Beharrlichkeit der Verweigerung an der Mitwirkung bei der individuellen Identitätsklärung.”
Die Buchstaben und Zeichen auf dem Erdboden am Zaun eines Hühnerstalls auslegen .Die Anführungszeichen sind auch mit Salatblättern abzubilden.
Falls die zehn Kopfsalate nicht ausreichen, weitere Salate nachkaufen, bis der ganze Text ausgelegt werden kann.
Mindestens zwei Stativkameras auf den Text gerichtet mit verschiedenen Blickwinkeln aufbauen und anschalten. Das Hühnergatter öffnen. Die Hühner den Salat aufpicken
lassen.
Die Kameras ausschalten, wenn der Salat vollständig verzehrt ist.
Eine Collage aus den Filmaufnahmen machen und den Schöpfern des Textes (nach einer Recherche) als CD zu- senden.
Aus den übriggebliebenen Salatköpfen einen feinen Salat zubereiten. Freunde einladen, um diesen miteinander zu essen.
24 Stunden lang schlechte Kameraschnitte in TV Nachrichten und Dokumentationen, in mühsamer Vorarbeit wahllos zusammengestellt, ansehen.
Nach jedem schlechten Schnitt in flehendem Ton ausrufen: “Bitte aufhören!”. Vor jedem unmittelbar bevorstehenden neuen schlechten Schnitt rufen: “Bitte nicht!”
Nach Ablauf von 24 Stunden zu mir sagen: “Endlich vorbei!”.
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Die Wohnung verlassen, einen Waldspaziergang machen.
24 Stunden lang in einem verdunkelten Raum Interviews von Sportlern, die gerade einen Sieg errungen haben, anhören müssen.
Das Abspielgerät danach ausschalten.
Abendlicht in den Raum lassen. Dringend pissen gehen. Etwas essen.
In einem nahe gelegenen Wald spazieren gehen.
In einer sternenklaren Sommernacht mit den Händen und Füßen, mit dem gesamten Körper, Sternenbilder nachahmen. Dazu alle mög-lichen Lichtquellen, in den Händen gehalten oder am Körper angebracht, benutzen.
Möglich ist auch, auf Lichtquellen zu verzichten und nur mit dem Körper Sternenbilder zu erzeugen. Dies können auch phantasierte Sternenbilder sein.
Hilfsmittel wie Äste, Stangen, Pflanzen, auch Sprache und Laute, Gelächter, nicht jedoch der Einsatz von Tieren, sind erlaubt.
In der jeweiligen Sternenposition verharren,
bis Körperteile anfangen zu schmerzen.
Sich danach auf den Boden legen, zum Himmel schauen, bis einem die Augen zufallen.
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Mit einer Kamera Menschen an einer belebten Straße ansprechen: “Sagen Sie einen Satz, der eine Farbe und eine Jahreszeit enthält.”
Hunderten, tausenden Menschen diese Frage stellen. Nicht mehr aufhören, Menschen diese Frage an diesem Ort zu stellen. Im Schichtwechsel Tag und Nacht
diese Frage stellen.
Mit dem Fragen nicht aufhören, niemals aufhören.
Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte lang Tag und Nacht Menschen diese Frage an diesem Ort stellen.
Soviel Filmmaterial, das größtenteils verschollen oder nicht mehr lesbar bzw. unbrauchbar geworden ist.
Die längst verstorbenen ursprünglichen Fragenden haben keine Aufzeichnungen über ihre Beweggründe hinterlassen, sich einen Großteil ihres Lebens mit dieser einen Frage zu beschäftigen. Warum haben sie das
getan?
Schüler müssen Aufsätze darüber schreiben.
Theologen möchten Propheten einer neuen Religion in ihnen erkennen. Reformer bezweifeln, dass die Frage nur an diesem einen Ort gestellt werden darf.
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Staaten beäugen mittlerweile misstrauisch die
Befragung und verschaffen sich Zugang zu den Antworten der Bürger.
Fotos von Börsenmaklern im Internet suchen,
die gerade eine Hand heben, um ein Geschäft zu tätigen . Ebensolche Fotos suchen von Teilnehmern von Aktionärsversammlungen
größerer Konzerne bzw. von Besuchern
von Auktionen mit teuren Anfangsgeboten.
In der Reihenfolge des Auffindens aus den
ersten fünfzig Fotos zehn davon nach einem
Zufallsprinzip auswählen und ausdrucken.
Mit den Fotos an einem Sommertag in einen
Garten gehen. Jedes Foto in eine Hand nehmen, die andere Hand wie zu einem Gebot oder einer Abstimmung erheben und erhoben lassen.
Jedes Foto zwei Minuten lang anschauen.
Sich dabei konzentrieren auf das Gesicht
und die Körperhaltung der abgebildeten Personen.
Nach zwei Minuten das Fotos weglegen und fünf Minuten damit verbringen, den Himmel, Wolken am Himmel zu betrachten. Sich dabei konzentrieren auf die Umrisse der Wolken.
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Mindestens eine Wolke auswählen. Diese mit der “Abstimmungshand” “nachzeichnen”. Laut eine hohe Zahl ohne Währungsangabe ausrufen z.B. “500.000”.
Danach die anderen Fotos anschauen und ebenso verfahren.
Die Übung an einem regnerischen Herbsttag
wiederholen.
Die Fotos nach Beendigung wegwerfen.
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In einer Zelle sein
ohne Kontakt zur Außenwelt. Ein kleines Fenster. Das Essen und Trinken wird
durch eine Klappe reingereicht.
Keine Bücher und Zeitschriften.
Kein Fernseher und Radio.
Wenn es morgens hell wird, werden
5 Din A 4 Blätter und ein Stift reingereicht. Wenn es abends dunkel wird, sind
diese wieder abzugeben.
Kein Wissen darüber, ob die beschrifteten Blätter aufbewahrt oder vernichtet werden.
Kein Wissen darüber, ob die Betreiber
der Zelle Menschen sind oder Maschinen.
Beschimpfungen
In drei Museumsräumen, die separat begehbar sind, werden die Besucher in vor eingestellter englischer Sprache über Lautsprecher beschimpft. Optional lassen sich auch
andere Sprachen auswählen.
Im ersten Raum werden Menschen wegen ihrer nicht weißen Hautfarbe in übler rassistischer Weise beschimpft. Werden verbal lächerlich gemacht, entmenschlicht, herab gesetzt, bedroht.
Im zweiten Raum werden Menschen wegen ihrer Religion bzw. ihrer Ablehnung von Religionen in gleicher Weise beschimpft.
Im dritten Raum werden Menschen verschiedener gesellschaftlicher Minderheiten wie Behinderte, Obdachlose, Homosexuelle etc. beschimpft.
In allen drei Räumen werden Münder von aktuellen Agitatoren, die diese Beschimpfungen in der Öffentlichkeit aussprechen, an alle 4 Wände des jeweiligen Raumes projiziert. Großflächig, an jede Wand ein Mund.
Alle 5 Minuten werden die Lautsprecher in den drei Räumen für 30 Sekunden ausgeschaltet. Die Agitatorenmünder sind in dieser Zeit eingefroren.
Nationalflaggen
1
Jeder Staat hat seine Flagge, die er hochhält
bzw. seine Bürger/Mitglieder/Untertanen
hochhalten läßt. In der Regel verstehen
Staaten keinen Spaß, wenn sich Menschen
über ihre Flagge lustig machen oder dagegen
protestieren und diese z.B. verbrennen. Die
Bürger werden deshalb im Rahmen von
“Staatsbürgerkunde” darin geübt, sich mit
der Nationalflagge zu identifizieren,ein
Erziehungsziel, das mehr oder minder
gelingt.
2
Ich habe mir auch eine kleine Flagge gebastelt.
Motiv: eine Wiese, auf der ein Adler einen
Präsidenten im Schnabel hält. Oder sollte ich
ein Savannenmotiv wählen, wo Löwen
gerade auf einem Gipfeltreffen wichtige Präsidenten verspeisen. Jeder hält bis zum letzten Atemzug seine Flagge hoch, damit die Löwen sie nicht beschmutzen können. (Haha…)
3
Für jede dieser über hundert Staatsflaggen sind
schon viele Menschen gestorben. In Kriegen,
in Protesten gegen den jeweiligen Staat. Manchmal auch tragisch etwa wenn eine Flaggestange versehentlich auf den Kopf
eines Bürgers fällt. Oder wenn ein
Einbrecher eine Flagge benutzt, um sein Opfer zu fesseln oder zu strangulieren (vermutlich war nichts Besseres in greifbarer Nähe).Oder wenn jemand in einem Geschäft eine Nationalflagge klaut (wer sollte das
tun wollen?), dabei erwischt wird, abhaut und auf der Flucht von einem Auto überfahren wird.
4
Man müsste für jedes Land Recherchen anstellen über Menschen, die wegen der Nationalflagge zu Tode gekommen sind
und die wenn möglich detaillierten
Darstellungen der Todesumstände in einem Buch veröffentlichen.
5
So viele Flaggen, so viele Farben und Symbole. Diese Flaggen, ihr Bildmaterial miteinander collagieren. Absurde,
geisterhafte neue Flaggen für absurde,
geisterhafte neue fiktive Staaten erzeugen. Die besten zehn davon mit militärischen Gesten, Gebärden und Ehren auf einem imaginierten Appellplatz hissen.
Die (sich auf der ganzen Welt ähnelnden) zackigen Bewegungen und Blicke der Soldaten an jeder der zehn Fahnenstanden unterschiedlich grotesk vorführen.
6
Eine andere Variante: Rituale des Fahnenhissens aller in den zehn Collegen beteiligten Akteure in ihren (Marsch)
abläufen collagieren. Ev. auch Slapstick
artig die Bewegungsabläufe miteinander vermengen. Etwa indem Flaggensoldaten auf solche, die mit einer anderen Flagge beschäftigt sind zumarschieren und sich dabei
gegenseitig umstoßen. Und wie schlechte Pastikroboter nicht mehr aufstehen können.
Bis sich immer größere Haufen
von Umgestoßenen bilden. Auf einen Befehl hin halten alle Haufenteilnehmer kleine Flaggen mit ihren Händen winkend
in die Höhe in einen bunten
Flaggenpotburri.
7
Soundcollagen könnten auch mit den entsprechenden Nationalhymnen gemacht werden, wie es Stockhausen in den
“Hymnen” in seiner Art umgesetzt hat. Vorstellbar wäre, dass ein Chor vor jeder
der zehn Fahnenstangen einen unterschiedlichen Teil der Soundcollage, ein
Kauderwelsch von verschiedenen Sprach-, Gesangs- und Lautfetzen exakt spricht, singt, schreit. Dies wäre mit herkömmlichen Noten nicht mehr abzubilden und müsste
von den Chören und Musikern Laut für Laut eingeübt werden.
8
Für diesen Text kann man in vielen Ländern ins Gefängnis kommen, verschwinden etc. Anklagepunkte ähneln sich wie
marschierende Stiefel. Sie lauten etwa: “Hochverrat”, “Widerstand gegen…” etc.
In einem Museum werden mindestens vier Räume benötigt. Diese lassen sich separat betreten. Von jedem dieser Räume führt
eine Türe in einen großen Raum.
In den Räume 1 - 4 werden Bild- Video- und Audioaufnahmen
von verschiedenen Kriegen gezeigt:
1. Weltkrieg; 2. Weltkrieg; Vietnamkrieg; Bosnienkrieg.
Die Bilder, Filme und Tondokumente sollen den jeweiligen Krieg drastisch in seiner ganzen Brutalität zeigen.
Die Besucher beginnen mit dem 1.Weltkrieg Raum. Um zum nächsten Kriegsraum zu gelangen, müssen sie durch den großen Raum. Dieser Raum ist ausgelegt mit Sofas und Matratzen, auf die man sich setzen oder legen kann. An einer Wand hängt ein großes Transparent mit der Aufschrift: “Nie wieder Krieg!”
​
Die Besucher können in diesem Raum so lange wie sie wollen verweilen, bevor sie den nächsten Kriegsraum betreten.