Fluxusbox Fotoausstellung
​
Mache 10 Fotos vom Himmel
eines zufällig ausgewählten Tages.
Drucke die Fotos aus.
Stecke sie jeweils in eine haltbare Box.
Schreibe zuvor auf die Fotos
das genaue Aufnahmedatum.
Vergrabe die Boxen
an verschiedenen Orten.
Organisiere eine Ausstellung
mit den Fotos in 100 Jahren.
Verschicke Einladungen
zu dieser Ausstellung an Freunde.
​
Eine kleine Pappbox befüllen
mit ausgeschnittenen Wörtern
aus Zeitungsartikeln über Kriege
in den letzten 200 Jahren.
Ausgeschlossen sind Wörter,
die sich direkt auf eine
kriegerische Handlung beziehen
wie z.B. "Gefallene" "tragisch" "Front"
"Einmarsch" etc.
Es werden nur Wörter wie:
"und" "der" "die" "das" "öfter"
"gestern" etc. mit der Box befüllt.
Die Wände und der Boden der Box
sind "tapeziert" mit "Wolkenausschnitten"
aus Fotos von kriegerischen Situationen.
Tanze die Konturen
von vorüberziehenden Wolken.
Singe den Abfall
eines vollen Mülleimers.
Atme einen
morgigen Wetterbericht.
Trinke das Öffnen
einer blauen Autotür.
Verliere ein Leben,
gewinne zwei.
Schneide dich
in fünfzig Teile.
Mische dich.
Setze dich wieder zusammen.
Lade Freunde ein.
Feiere ein Fest.
Vereinbare mit fünf Menschen
irgendwo auf der Welt,
gleichzeitig
ein ausgewähltes Fenster
in der jeweiligen Wohnung
zu öffnen.
Schaut danach
aus diesen Fenstern
solange ihr wollt.
Tauscht euch darüber aus,
was ihr gerade seht.
Oh mein Gott,
die Recorder Software
auf meinem Handy zeigt mir an,
dass ich noch 900 Stunden
Aufnahmekapazität habe.
900 Stunden?
Wenn ich jetzt zu Fuß losgehen würde,
wo käme ich in 900 Stunden an?
Ich könnte dich bitten,
mich zu begleiten
über Aufnahmestraßen,
und - wälder.
Zusammen klettern auf 900 Stunden Bäume.
Rasten auf 900 Stunden Bänken.
Nein, es sind nur noch
800 Stunden Bänke.
Jetzt singst du ein buntes Lied
auf einem 780 Stunden Ast.
Wir reden von früher,
als du noch kein Vogel warst.
Und ich deine Muschi leckte,
während du Zeitung gelesen hast.
Du erinnerst dich bestimmt
nicht mehr an den Artikel.
So vergehen
die Aufnahmetage im Nu.
Irgendwann um die
170. Aufnahmestunde herum
wirst du immer leiser,
bis du nicht mehr zu hören bist.
Ich habe noch eine
Aufnahmewoche vor mir.
Was ich wohl noch
aufnehmen werde bis dahin?
Besuch der Zeilen des Gedichtes
Das Labyrinth von M. L. Kaschnitz:
Mit ihnen spazieren gehen
durch eine Siedlung,
mit ihnen auf der Terrasse sitzen
bei einem Drink,
mit ihnen Nachrichten anschauen,
mit ihnen im Haus verstecken spielen,
mit ihnen aufs Klo gehen.
Meine Tochter L. fügt hinzu:
Mit ihnen in der Nase bohren.
Sich mit ihnen in die Hose machen.
Eine Audio Aufnahme
von irgendeinem Gespräch
vergessen zu beenden.
Das Aufzeichnungsgerät erst
mehrere Tage später ausschalten.
Die große Datei nach Sounds
durchsuchen.
Das regelmäßige
Rein - und Rausgehen
aus dem Aufzeichnungsraum.
Ein Räuspern vielleicht.
Telefonate.
Ein ärgerlicher Satz.
Zeitung Rascheln.
Wieder Schritte.
Was auch immer.
Audio Tageswerke
Tag 1
Die Sinuskurven verschiedenster
Wörter, Sätze und Geräusche
in einer fiktiven Installation
aufzeichnen.
Tag 2
Die Sinuskurven
von nun an als Grafiken,
losgelöst von den Sounds,
bearbeiten und collagieren.
Tag 3
Mit den Sinusgrafiken
Landschaften, Geister,
welkes Laub,angebissene Äpfel,
Mülltonnen, Bratkartoffeln,
heilige Bücher und Vieles mehr
erzeugen.
Tag 4
Die Bedeutungen der Sinusgrafiken
miteinander in verschiedensten Formen
verknüpfen z.B. als Gegensätze,
als Verschmelzung, als Langeweile,
als Hunger, als Waldspaziergang,
als Erkenntnis, als Nachrichtensendung,
als Sturmwarnung, als Kuss etc.
Tag 5
Den Sinusgrafiken fiktive Bedeutungen
geben, Geschichten auf ihnen schreiben,
zeichnen und bemalen. Sie durchstreichen,
sie lochen, sie bekleben, sie beschmutzen,
sie hämmern, sie schneiden, sie bügeln,
sie zerreißen etc.
Tag 6
Sinusgrafiken auf Böden und Wänden
visualisieren. Diese begehen, erklettern,
überkriechen, auf ihnen und mit ihnen
schlafen etc.
Tag 7
Die Sounds der Grafiken hören
und mit den dazugehörigen oder
"fremden" Sinusgrafiken in der Hand
oder im Mund oder sonstwo
tanzen, turnen etc.
Tag 8
Die Sounds einzeln oder in Gruppen
anschreien,anspucken,beleidigen,
begrüßen, beschimpfen, ermutigen,
etc.
Tag 9
Die Sinusgrafiken auf einen Haufen legen.
Die Sounds alle zusammenmischen.
Sich einen Tag lang auf den Haufen setzen
und den Sounds lauschen.
Alle
menschlichen Laute
in einem fiktiven Raum
von einem Kubikzentimeter
verdichten.
Mich daneben legen.
Lauschen
bis mir die Augen
zufallen.
Einen fiktiven Film drehen mit Fußballfans eines
schlechten drittklassischen Fußballspiels an einem verregneten Oktobernachmittag in einer Kleinstadt. Es sind nur 230 Zuschauer gekommen, was vom Stadionsprecher
ausdrücklich bedauert wird.
Der Film ist an Stummfilme der 20er Jahre angelehnt. Alle Kommentare und Interviews werden stumm mit Untertiteln gezeigt.
Zunächst werden im ersten Teil des Films ca. 5-7 Minuten lang Szenen des langweiligen Spiels gebracht, vom starken Regen, wie die Zuschauer schlecht gelaunt versuchen, sich unter ihren Schirmen bzw. unter der einzige Tribüne auf einer Seite des Spielfeldes vor dem
ununterbrochenen Regen zu schützen, während die Spieler ohne jeden Elan rum kicken, bis das Spiel mit 0 : 0 unentschieden endet.
In einem zweiten Teil werden 5 ältere verrentete Männer (ehemalige Lehrer, ehemalige Mitarbeiter der Stadtverwaltung,
bevor es zu den eigentlichen Fragen kommt,
nach einem Kurzkommentar zum Spiel befragt. Fast alle lassen anklingen, dass ihre Mann-schaft besser gespielt hätte, wenn sie der Trainer gewesen wären.
Im dritten Teil werden den 5 Interviewpartnern eine Reihe von Fragen gestellt, die sie spontan ohne große Überlegungen beantworten sollen:
Diese Fragen sind:
1. Nehmen wir mal an, es gäbe noch viele andere belebte Planeten im Weltall. Glauben Sie, dass auch dort Fußball gespielt wird?
2. Was würden Sie tun, wenn Fußball von einer Diktatur verboten würde? Würden Sie sich dagegen auflehnen? Welche Strafen wären Sie bereit, in Kauf zu nehmen? Würden Sie deswegen z.B. ins Gefängnis gehen?
3. Glauben Sie, dass es Fußball noch in 500 Jahren geben wird?
4. Wieviele Stunden Fußball , schätzen Sie, haben Sie in ihrem Leben schon gesehen? 1000 Stunden? 5000 Stunden? 10000 Stunden?
5. Was würden Sie sonst an Samstag Nachmittagen tun, wenn es Fußballspiele nicht mehr gäbe?
6. Falls es ein Leben nach dem Tod gibt:
Glauben Sie, dass dort Fußball gespielt wird?