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Jeder

der hier geht

​

kann ganz leicht

gebrochen werden

 

unter Schlägen

wimmernd nackt

 

gebrochen.

 

Jeder

der hier geht.

 

 

 

 

 

 

Was wird sein

mit dem Holocaust

in tausend Jahren,

wenn es die Menschen

dann noch gibt?

 

Was wird sein

mit dem Holocaust

in tausend Jahren

wenn es die Menschen

dann nicht mehr gibt?

 

Wer wird dann noch

der Ermordeten gedenken?

 

Wer wird dann noch

"Nie wieder" sagen?

 

 

 

 

Werden noch sonstwo

im Weltall Witze erzählt

(über die Herrschenden

dort vielleicht)?

 

Oder geliebt, gearbeitet,

gegessen,verdaut?

 

Oder eingebrochen,

geklaut, vererbt?

 

Wird noch sonstwo

im Weltall argumentiert,

philosophiert?

 

Gibt es Fürze

an anderen Orten der Welt?

Wie würden sie sich anhören,

wenn ihr Schall den Weg

zu uns schaffte?

 

Nie wird ihr Schall

der Lieder? der Kriege?

der Gebete? der Proteste?

den Weg zu uns schaffen.

 

 

 

 

 

1

 

Menschen sind so anders als Kieselsteine.

 

Sie können besser singen als Kieselsteine.

Sie können schlechter schweigen als Kieselsteine.

Sie können besser träumen als Kieselsteine.

Sie können schlechter schlafen als Kieselsteine.

Sie können besser schreiben als Kieselsteine.

Sie können schlechter altern als Kieselsteine.

Sie können besser scheissen als Kieselsteine.

 

 

2

 

Kieselsteine brauchen keine Besitztitel.

KIeselsteine gründen keine Inkassofirmen.

Kieselsteine müssen nicht arbeiten gehen.

Kieselsteine fahren nicht in den Urlaub.

Kieselsteine heiraten nicht.

Kieselsteine brauchen keinen Staat.

Kieselsteine tragen keine Uniformen.

KIeselsteine glauben an keine Götter.

Kieselsteine führen keine Kriege.

Kieselsteine sperren sich nicht ins Gefängnis.

 

 

3

 

Mit einem Kieselstein eine grausame Maschine zerstören.

Mit einem Kieselstein eine große Lüge entlarven.

Mit einem Kieselstein einen bösen

Menschen in den Abgrund fallen lassen.

Mit einem Kieselstein eine große Dürre beenden.

Mit einem Kieselstein ein trauriges Kind trösten.

 

 

4

 

Menschen in Kieselsteine verwandeln.

 

 

 

 

 

 

Wir wollen denken an die,

die nichts haben.

 

Dass wir nicht irgendwann

auch nichts haben.

 

In virtuellen Räumen,

ausgestattet mit unseren

VR Brillen,

 

wollen wir virtuell

unseren Besitz mit ihnen teilen.

 

Wollen wir sie

in unsere Häuser einladen

und wohnen lassen.

 

Wollen wir ihnen erlauben,

sich aus unseren Kleider-

und Kühlschränken zu bedienen.

 

Wollen wir ihnen die Passwörter

unserer Bankkonten verraten.

 

Virtuell natürlich.

 

 

 

 

 

Von einer Barbarei

in die nächste.

 

Immer

 

die gleiche Empörung,

das gleiche Schreien.

 

Und dann

 

geht es hurtig wieder weiter

mit dem Barbarei machen.

 

 

 

 

 

Lichterwanderer

 

Wenn die Lichter wandern,

dann wandern sie mit ihren Trägern.

 

Den Lichtern ist es egal,

wer sie durch die Nacht führt.

 

Sie haben auch keine Ahnung davon,

wohin und warum sie getragen werden.

 

Lieder werden gesungen,

die sie nicht verstehen.

 

Sprache und Gesang können sie

sowieso nicht unterscheiden.

 

Und wenn gebrüllt oder gepfiffen wird,

dann würden ihre Ohren dröhnen,

wenn sie welche hätten.

 

Die Lichter unterscheiden auch nicht,

ob jemand den Juden die Schuld

an der Impfdiktatur gibt

oder ob jemand sagt,

dass er mal pissen gehen muss:

für sie sind es Geräusche

ohne Bedeutung.

 

Sie versuchen sich darauf zu konzentrieren,

dass es ihnen nicht schwindlig wird

beim Herumgetragen werden.

 

Kann es Laternen überhaupt

schwindlig werden?

 

Selbst wenn:

Erbrechen können sie

hoffentlich nicht.

 

 

 

 

 

Den Massenmördern

nachstellen.

 

Allen. Keine Ausnahme.

 

Durch die Jahrhunderte

und Jahrtausende.

 

An allen Orten,

wo gemordet wurde.

 

Die meisten Täter

und die meisten Opfer

sind längst Staub.

 

Verstreut

in jedem Wald,

jedem Nasenloch.

 

Der Staub der Opfer

würde richten

 

über den Staub der Täter.

 

Kein Staubkorn

darf davonkommen.

 

Im Abendwind flüchten.

Sich verbergen

in Flüssen, in Höhlen.

 

Über alle bösen Taten

wird endlich geurteilt werden.

 

Mensch über Staub.

Staub über Mensch.

 

 

 

 

 

1

 

Im Zeitalter der Lüge

verwandeln sich

Bälle in Würfel und

Zungen in Regenrinnen

voller Speichel.

 

Aus einer Maus

wird ein Einhorn,

aus einem Salat

wird ein Massengrab.

 

"Dies ist kein Haus!"

ruft jemand aus einem Haus.

Aus einem Strang

wird eine Leitplanke.

 

Im Zeitalter der Lüge

preisen die Schlachtschweine

ihre Schlächter ,

und die Pausenbrote

ihre hungrigen Schüler.

 

Im Zeitalter der Lüge

tötet man sich

oder wird getötet

für ein Gramm Wörter.

 

Aus einem Glas Milch

wird eine Milchstraße,

aus einem Gruß

wird ein "Kopf ab!"

 

2

 

Wer kann am besten

Lügen umarmen?

 

Wer kann am besten

Lügen runterregnen lassen?

 

Wer kann am besten

Lügen beschleunigen?

 

Wer kann am besten

Lügen lackieren?

 

Wer kann am besten

sich mit Lügen paaren?

 

Wer kann am besten

Lügen verstecken?

 

Wer kann am besten

mit Lügen werben?

 

Wer kann am besten

Lügen erfinden?

 

 

 

 

 

Wenn es

im Ermessen liegt,

jemand zu töten.

 

Wenn es

im Ermessen liegt,

jemand zu benoten.

 

Wenn es

im Ermessen liegt,

jemand zu begnadigen.

 

Wenn es

im Ermessen liegt,

jemand abzuschieben.

 

Wenn es

im Ermessen liegt,

jemand zu befördern.

 

Wenn es

im Ermessen liegt,

jemand zu foltern.

 

Wenn es

im Ermessen liegt,

jemand abzumahnen.

 

Wenn es

im Ermessen liegt,

jemand einzuschüchtern.

 

Wenn es

im Ermessen liegt,

jemand zu verhaften.

 

Wenn es

im Ermessen liegt,

jemand zu begutachten.

 

Wenn es

im Ermessen liegt,

jemand freizulassen.

 

Wenn es

im Ermessen liegt,

jemand zu richten.

 

Wenn es

im Ermessen liegt,

jemand einzulassen

 

oder abzuweisen.

 

 

 

 

 

Das letzte Autoparken,

der letzte Börsenkurs,

 

die letzte Lebensrettung,

die letzte Aufzugfahrt,

 

der letzte Notruf,

der letzte Kuss,

 

der letzte Herzkatheder,

der letzte Himmelsblick,

 

die letzte Hoffnung,

die letzte Geburt,

 

der letzte Fick

der letzte Mord,

 

der letzte Durst,

das letzte Lesen,

 

das letzte Gebet,

der letzte Diebstahl,

 

der letzte Atemzug

am letzten Menschentag.

    © 2025 Fred Darimont 

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