Ausgedachtes
anfangen zu sammeln.
Ausgedachte
Jahrzehnte lang.
Es dann verkaufen
zu hohen Sammlerpreisen
an ausgedachte Käufer.
​
Wann werden Rosen, Lilien
und andere Blumen
endlich nicht mehr belästigt?
Dürfen einfach nur
blühen und welken,
ohne von Dichtern
besungen, beklagt zu werden.
Dichter,
die schon lange ihre Hosen
nicht mehr gewechselt haben
und denen immer mehr Haare
allegorien- und reimfrei
aus den Ohren wachsen.
Wettbewerb
der verstorbenen Dichter:
Euch freiwillig lesen.
Euch mit Begeisterung lesen.
Nicht Euer gelesen werden
in Leistungskursen auf Gymnasien,
in Germanistik Seminaren.
Euch nie, Euch selten,
Euch häufig, Euch sehr häufig
freiwillig lesen.
Ihr nicht, ihr noch nicht,
ihr allmählich, ihr längst
vergessenen Dichter.
Was bleibt von
euren Liebesflügeln,
euren Einsamkeitsstiefeln,
eurer Todesempörung,
eurem Rose sein?
Wer Niemanden hat,
der einem den Rücken kratzt,
der muss ihn sich selber kratzen
mit dem, was er im Haushalt findet.
Oder er geht in ein Geschäft,
kauft sich eine entsprechende
Kratzbürste.
Oder geht in einen Wald,
verlässt den Weg,
um sich an Baumrinden zu kratzen.
Und wenn Jemand wissen will,
wie sein Rücken aussieht,
der muss Jemand finden,
der ein Foto davon macht.
Die innere vorgestellte Rückenlandschaft
mit dem Foto vergleichen.
Man kann daraus
vielleicht eine Landkarte erstellen
mit Wanderwegen, mit Unebenheiten.
Hoffentlich kein Rückengeröll, keine Höhlen,
die man sowieso nicht erkunden könnte.
Denn wie sollte man eine Höhle
auf dem eigenen Rücken betreten?
Wer es kann,
wäre ein erfolgreicher Magier,
der von Auftritt zu Auftritt reist
mit seiner Rücken-Höhlen-Nummer.
Ich möchte stattdessen lieber den Vögeln
das Rückwärtssingen beibringen.
Noch besser:
Vögel bringen mir etwas bei,
dass nützlicher ist als Gedichte schreiben.
Vielleicht bin ich schon
im Einflussbereich solcher Vögel.
Vielleicht haben sie mitbewirkt,
dass ich das Gedicht über die Schönheit
von alten abgerissenen Plakaten
an Bushaltestellen und Bahnhöfen
nun doch nicht schreibe.
Osterbotschaft:
Der Stein ist weg
der Fein ist fleck
der Pein ist nett
der Heinz ist keck
der Rhein ist leck
der Leim ist deck
der Schleim ist meck
der Schein ist fett
der Reim ist heck
der Kein ist brett
der Stein ist weg:
Jenus legt !
1
Es gibt Orte,
die verlässlich lyrisch sind.
Dies kann z.B. ein Parkplatz sein,
den man nach der Arbeit
regelmäßig durchquert.
Plötzlich erscheint ein Wicht
hinter einem Auto, liest eine Zeile.
Hinter einem anderen Auto
erscheint ein weiterer Wicht,
liest eine weitere Zeile.
Manchmal tauchen sie auf,
die Zeilen die Wichte,
beim Geräusch des Zuschlagens
einer Autotüre.
Oder beim Aussteigen eines Fahrers,
der sicher auf keiner Fahndungsliste steht.
Und dem man nicht ansieht,
ob seine Blase leer oder voll ist
oder irgendwas dazwischen.
2
Warum gerade hier?
Warum nicht am Busbahnhof?
Oder beim Durchgang
der historischen Kaserne,
mit den alten Pflastersteinen?
Oder `bei den Hundehaltern im Park,
die sich wahrscheinlich mal wieder
über ihre Hunde unterhalten?
Warum nicht bei den Bäumen,
im nahegelegenen Wäldchen,
die Frühlingsblätter ansetzen?
Warum ausgerechnet
auf diesem Parkplatz?
Sparfüchse auf der Straße,
die ihr Licht nicht einschalten,
auch wenn es schon langsam
dunkel wird.
Was ist los mit ihnen?
Warum machen sie das?
Müssen sie so eisern sparen,
um über die Runden zu kommen?
Was sind ihre Leidenschaften?
Wovor haben sie Angst?
Lesen sie Krimis im Urlaub?
Schlafen sie noch mit ihren Frauen?
Hölderlins Gedicht "Die Parzen"
Ich schleiche mich durch die
dunklen Zeilengänge.
Stoße überall an.
Wo ist der Ruhm?
Wo sind die Würste
in der vollen Kammer?
Wie bin ich da hineingeraten?
Jetzt hab ich mich erst mal vollgefressen
an den fettigen Buchstaben
und komme wie der Wolf im Märchen
nicht mehr raus aus dem Gedicht..
Gleich wird man mich finden.
Nein Niemand wird mich vermissen.
Jetzt muss ich erst mal fasten,
bis ich irgendwann wieder rauskomme.
Wird es dann hell oder dunkel sein?
Welche neuen Gefahren
werden dort auf mich lauern?
Diese Jagd nach literarischem Ruhm
wird mich noch ruinieren!
Die Buchstaben und Wörter:
Killer Geruch, modrig.
Gerümpel auf den Wegen.
Ich stolpere, verletzte mich.
Wenn ich eine Atemmaske,
ein Nachtsichtgerät dabei hätte.
Um auch den dunkelsten,
den giftigsten Ruhm zu überleben.
Ich weiß es einfach nicht.
Wenn
das Suchen nicht mehr hilft,
wenn
das Wegrennen nicht mehr hilft,
wenn
das sich ganz klein machen nicht mehr hilft,
wenn
das Weinen nicht mehr hilft,
wenn
das geduldige Warten nicht mehr hilft,
wenn
das ruhige Atmen nicht mehr hilft,
wenn
das Lieben nicht mehr hilft,
wenn
das um Hilfe rufen nicht mehr hilft,
wenn
das Verrückt werden nicht mehr hilft,
wenn
das Hoffen nicht mehr hilft,
wenn
das Schreiben nicht mehr hilft....
Schriftsteller als Angeber
Anderen
bei jeden Gelegenheit erzählen,
man könne Gold spinnen
beim Schreiben von Gedichten.
Anderen
bei jeder Gelegenheit
einen Blick in das Schreibheft
werfen lassen, in dem Gold
eingefügt wurde.
(Das Gold wurde vorher
in einem Pfandhaus gekauft)
Andere
bei jeder Gelegenheit
beim Schreiben um das Gold herum
zuschauen lassen.
Anderen
bei jeder Gelegenheit
die vielen Lyrik Hefte zeigen,
in denen schon seit Langem
Gold gesponnen wurde.
Andere
bei jeder Gelegenheit
davor warnen, die Goldhefte zu stehlen.
Sie seien alarmgesichert.
(Was natürlich nicht stimmt).
1
Wenn wir keine Ohren hätten,
würden unsere Häuser
dann anders aussehen?
Wenn wir keine Augen hätten,
welche Kleidung würden wir
tragen?
Wenn wir keine Beine hätten,
würden wir dann auf Händen
laufen?
Wenn wir keine Münder hätten,
Wie würden wir uns lieben?
2
Wenn es keine Gefahren mehr gäbe,
müssten wir dann noch um Hilfe
rufen?
Wozu bräuchten wir Zahlen,
wenn wir flussaufwärts
zum Laichen schwimmen würden?
Wenn wir Steine wären,
würden wir uns trotzdem liebe Dinge
zuflüstern wollen?
3
Und wenn der Himmel,
tagein tagaus singen würde,
welche Lieder würde er singen?
Könnten wir dann noch schlafen?
Wollten wir dann noch
in die Schule gehen?
Unsere Hände waschen?
Knöpfe annähen?
Wollten wir dann noch Kinder
aufziehen?
Zähne putzen?
Urlaub machen?
Gedichte schreiben?
4
Und wenn die Welt
ein Wasserbett wäre,
wie würden dann die Soldaten marschieren?
Wie sähen ihre Stiefel und Waffen aus?
Gäbe es überhaupt noch Soldaten?
5
Und wenn die Sterne
laut ratternd wie Güterzüge,
nicht weit über uns vorbeifahren würden?
Was hätten sie bei der Rückfahrt
geladen? Licht? Bestimmt nicht!
Irgendetwas anderes?
Vielleicht etwas Geistiges?
6
Wir würden es erforschen wollen,
würden es beobachten,
messen wollen!
Und wenn es nur ein Spiel wäre,
ohne Regeln, ohne Absicht?
Wir würden wissen wollen,
wer dieses Spiel begonnen hat
und weiter aufrecht erhält!
Wir würden alles wissen wollen
über die Spiele des Universums
und deren Spieler!